Mär 2021 | Neu Gründonnerstagssuppe

Leider mussten wir wegen Corona die geplante Kräuterwanderung mit anschließendem Kochen der Gründonnerstagssuppe absagen. Hier für alle Interessierten aber die Bedeutung und das Rezept:
Ach du „Grüne Neune“, Gründonnerstagssuppe, Frühlingssuppe, Neunkräutersegen
Woher kommt die Bezeichnung Gründonnerstag?
Es gibt mehrere Theorien:
1. aus dem Mittehochdeutschen von den Wörtern gronen, grinan, was soviel wie weinen und klagen bedeutet und somit einen Bezug zum Leiden Christi darstellt.
2. Mit weinen sind die Tränen der Büßer gemeint, die im Mittelalter virides, die Grünen, genannt wurden. In der christlichen Lithurgie bedeutet die grüne Farbe frisch, erneuert, sündenlos. Gründonnerstag ist auch ein Ablasstag.
3. Seit dem 14. Jhd ist es Brauch, etwas Grünes zu essen und die kommenden Kartage, in denen Fleischgenuss untersagt, war einzuleiten.
Warum 9 Kräuter?
Wichtig ist die Zahl 3x3. Sie symbolisiert Geburt, Leben und Tod; Körper, Geist und Seele; Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Die Zahl 3 spielt in allen Kulturen der Welt eine Schlüsselrolle. So sind in der griechischen Mythologie Zeus, Poseidon und Hades die obersten Götter. In der ägyptischen Mythologie Isis, Osiris und Horus. Im Hinduismus Brahma, Vishnu und Shiva. Und in unserer nordischen Mythologie die drei Schicksalsfrauen Urd, Verdandi und Skuld. Im Christentum haben wir die Dreifaltigkeit Vater, Sohn und heiliger Geist. Die heilige Familie Vater, Mutter und Sohn. Es gibt drei heilige Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. Sicherlich könnte man diese Reihe weiter fortsetzen, es macht aber auch deutlich, wie tief und wie lange diese Zahl in allen menschlichen Kulturen verankert ist.
Seit wann ist die Gründonnerstagssuppe Brauchtum?
Unsere Altvorderen, die Germanen, verehrten die Göttin Ostara, die Göttin des strahlenden Morgens, des aufsteigenden Lichts und der im Frühling wiederkehrenden Sonne. Zu Ehren der Göttin wurden am Tag der Tag- und Nachtgleiche ein Frühlingsfest gefeiert mit Frühlingsfeuern, Kräutertränken und grünen Speisen. In Zeiten, in denen es noch keine Gefriertruhen, keine Importe und natürlich keine Supermärkte gab, litten die Menschen unter ernährungsbedingten Mangelerscheinungen, u.a. Vitamin C Mangel, dem sogenannten Skorbut, im Mittelalter Scharbock genannt. Man stellte sich vor, dass ein bocksbeiniger Winterdämon dafür verantwortlich sei. Dagegen aß man das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), eines der ersten Frühlingskräuter, überhaupt ein Hahnenfussgewächs, welches sobald es blüht nicht mehr verzehrt wird und sowieso eher in Mengen eines Gewürzes den Speisen zugefügt werden sollte.
Das Ostarafest wurde im Zuge der Christianisierung zu Ostern, dem Fest der Auferstehung Christi, dem Licht der Welt. Der Zeitpunkt des Festes ist nun der erste Sonntag nach dem Frühlingsvollmond und die Kultspeise wurde zur Fastenspeise. Übrigens führte Karl der Große (ca. 768-814) die Bezeichnung Ostarmanoth für den April ein.
Welche Bedeutung haben diese Kräuter für uns?
Mit zunehmendem Licht sinkt die Melatoninproduktion, das Schlafbedürfnis läßt nach, der Serotoninspiegel steigt, es werden vermehrt Sexualhormone ausgeschüttet, der Körper befindet sich in einer Umstellungsphase. Der Kräutersuppe wird nachgesagt, daß sie Frühjahrsmüdigkeit vertreiben und den Stoffwechsel anregen soll. Bitterstoffe regen die Magen-Darmtätigkeit (z.B. Schafgarbe) an, Brennessel wirkt durch ihre Nährstoffe wie Eisen und Vitamin C blutbildend und immunstärkend. Weiterhin enthalten Wildkräuter eine Vielzahl an sekundären Pflanzenstoffen, Mineralstoffen und Vitaminen .Bei der Zubereitung der Suppe sollte man darauf achten, dass die Kräuter nicht allzu lange mitgekocht werden, um die Nährstoffe weitestgehend zu erhalten. Ebenso sollte auf Milchprodukte verzichtet werden, da sie die Eisenaufnahme im Körper hemmen. Die Kräutersuche hat den wohltuenden Nebeneffekt der Bewegung in der Natur und somit eine Ankurbelung der Vitamin D Produktion. Außerdem nehmen wir Gerüche, Farben, Licht sowie Geräusche wahr. Diese Reize wirken ganzheitlich und positiv auf das Nervensystem.
Die Menge der verwendeten Kräuter sollte am Anfang pro Person nicht viel mehr sein als in eine hohle Hand passt, weil Wildkräuter über eine wesentlich höhere Konzentration von Inhaltsstoffen verfügen als Garten bzw Gewächshausgemüse. Um Verdauungsprobleme zu vermeiden, ist eine einschleichende Steigerung der Menge angebracht. Bei Bestimmungsproblemen der Wildkräuter sollte man keine Experimente wagen und lieber doch auf Gartenkräuter ausweichen, wie Feldsalat, Lauch, Grünkohl usw.
Welche Kräuter können verwendet werden?
Brennnessel, Bärlauch, Brunnenkresse, Gänseblümchen, Giersch, Gundermann, Knoblauchrauke, Labkräuter, Löwenzahn, Sauerampfer, Scharbockkraut, Schaumkräuter, Schafgarbe, Taubnessel, Vogelmiere, Spitz-, Breitwegerich. Denkbar sind auch Baumknospen.
Gründonnerstagssuppe, Rezeptvoschlag:
Pro Person 2 Kartoffeln würfeln, mit Zwiebel und Knoblauch andünsten und in Gemüsebrühe weich kochen. Passieren und entweder die Kräuter sehr fein schneiden und zum Schluss dazu geben oder mit dem Passierstab mit den Kartoffeln zerkleinern. Mit Salz, Muskat und Pfeffer abschmecken. Mit Veilchen-, Gänseblümchen-, Löwenzahn, Schaumkrautblüten dekorieren. Die Kräuter sind auch eine ideale Einlage für Smoothies.
Guten Appetit!
Übrigens soll Alexander von Humboldt (1769-1859) die Neunkräutersuppe sehr geschätzt haben, er soll sie mehrere Wochen verzehrt haben.
In der Hoffnung, dass wir 2022 alle zusammen die Kräuter bestimmen können und gesund bleiben!
Astrid Weber Kräuterpädagogin
P.S. Für alle, die sich mit den Mondphasen beschäftigen, am 28 März war Frühlingsvollmond. Jetzt in der Zeit bis zum Neumond am 12. April ist die ideale Zeit zum Sammeln der Kräute. Ideal ist auch der aufsteigende Mond von Dezember bis Juni. Der Mond zieht die Kraft in die oberen Blatt- und Blütenteile.